Ein gutes neues Jahr! Das wünsche ich zunächst in die Leserrunde.
Es scheint ja auch in der Tat ein gutes Jahr zu werden, wenn eine der ersten Meldungen den Zusammenschluss von zwei deutsch-sprachigen Social-Recruiting-Giganten feiert. Die “Samwer-Brüder der HR-Branche” – tolle Analogie, leider nicht von mir ;-), Martin und Mark Poreda, haben ihre 2007 gestartete, erste deutsch-sprachige Arbeitgeber Bewertungsplattform kununu, an XING für sage und schreibe 3,6 Millionen Euro verkauft. Die Option, diese Zahl um eventuell weitere 5,8 Mio bis 2015 aufzustocken, besteht, wenn bestimmte Umsatzziele erreicht werden. Der Deal ist rückwirkend zum 1.1.2013 aktiv.

Die Aktion wird als Projekt “Abhebos” bezeichnet. In der Tat ein wenig abgehoben. Aber eines nach dem Anderen.

Besonders interessant finde ich dabei die Zahlen, die Thomas Schulze von Spirofrog, unser HR-Blogger-Finanzchef, zu bieten hat: kununu ist seit 2012 profitabel und hatte in den Jahren 2010 und 2011, bei einem Jahresumsatz von 1 Million, einen Bilanzverlust von 727.000 beziehungsweise 894.000 € auszuweisen. XING hat sich damit also auch einen Steuervorteil erworben, da die Verluste gegengerechnet werden. Auch eine Art, gute Geschäfte zu machen!

Die gesamte HR-Blogger-Crew ist nun also seit gestern in heller Aufruhr und bloggt, was das Zeug hält: Die meisten gratulieren den Poreda-Brothers zu dem gelungenen Deal – das tue ich übrigens auch und sende liebe Grüße nach Wien! – und loben die Vorzüge der Verzahnung zwischen XING und kununu. Getreu dem Motto “drum prüfe, wer sich ewig bindet”, hat man die neu geschlossene Ehe bereits zwei Jahre getestet. Fragt sich nur, weshalb eine Übernahme dann obendrauf kam – auch wenn dies absehbar war…

Was den Nutzen einer Arbeitgeber Bewertungsplattform angeht, halte ich es wie JoBlogger Marcus: meistens äußert man sich als Arbeitnehmer zu einem Arbeitgeber dann, wenn man was zu meckern hat. Auch wenn es einige fortschrittliche Unternehmen gibt, z.B. die Verkehrsbetriebe Zürich, die Bewerber und Mitarbeiter aktiv einladen, ihre Meinung zum Unternehmen auf kununu kundzutun.

Ich würde darüber hinaus eine Arbeitgeber Bewertungsplattform nicht mit einer Meinungsplattform für Restaurants, Hotels, Shops oder Produkte vergleichen: Einen Job “kauft” man sich mal nicht eben so und meistens (jedenfalls hoffentlich) verbringt man in seinem Job mehr als ein paar Stunden, Tage oder Nächte seines Lebens. Ein Unternehmen ist auch kein statisches Produkt, das alle paar Monate oder Jahre überarbeitet und neu herausgebracht wird. Gut, aber vielleicht bin ich eben einfach nicht genügend “Generation Y”, um das wirklich dauerhaft einschätzen zu können.

Das nächste ist auch, dass es auf kununu lediglich 240.000 Unternehmensbewertungen gibt. Das wird zwar immer als große Zahl dargestellt, aber wenn man sich überlegt, dass es alleine in Deutschland 3,6 Millionen Unternehmen gibt, dann macht das im Schnitt 0,06 Bewertungen für ein Unternehmen! Nicht wirklich aussagekräftig, und selbst die Verkehrsbetriebe Zürich haben – trotz aktivem Aufruf nach Unternehmensbewertungen – gerade einmal 37 Bewertungen.

Daher wäre ich bei der Formulierung, dass hier zwei Giganten des Social Recruitings aufeinandertreffen und den deutsch-sprachigen Markt umkrempeln, etwas vorsichtig.
Strategisch gesehen ist der Deal für die Poreda-Brothers auf jeden Fall ein Super-Geschäft (und ich frage mich, ob das von den Strategen bei Burda/XING berücksichtigt wurde): Das US-amerikanische Pendant zu kununu, Glassdoor.com, hat Ende Oktober eine neue Finanzspritze von 20 Mio USD erhalten. Diese soll vor allem für die internationale Expansion verwendet werden. Die Plattform soll in weitere Sprachen übersetzt werden, und da Deutschland und der deutsch-sprachige Markt für eine internationale Expansion ideal sind, werden wir auch hierorts von der Glastür zu hören bekommen.

Jedoch stellt sich auch hier wieder die berechtigte Frage, ob sich die allwissenden Amis von DACH-Spezialisten gut beraten lassen und auf deren Rat hören. Denn sonst werden wir wieder ein Monster-LinkedIn-Szenario der verschenkten und verpatzten Möglichkeiten erleben… Oder LinkedIn kauft Glassdoor, wie bereits einige internationale Blogger munkeln. Dann wird’s richtig lustig.

Die dreisprachige Jobportal Beraterin ist seit 10 Jahren in der Branche tätig. Auf diesem zu den Top 10 deutschen Online HR-Medien gehörenden Blog berichtet sie seit 2007 über die neuesten internationalen E-Recruiting Trends und Entwicklungen.

Zils berät personalsuchende Unternehmen in ihrer Online HR-Kommunikation genauso wie Online-Recruiting Anbieter, die ihre internationale Präsenz und ihr Service Portfolio ausbauen.

Heute lebt sie in Straßburg und berät Firmen in englischer, deutscher und französischer Sprache.

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Eva Zils

CEO & Analyst bei Online-Recruiting.net

Eva Zils berät seit 2004 Unternehmen bei der strategischen und inhaltlichen Konzeption ihrer (internationalen) Online HR-Kommunikation.

Auf Online-Recruiting.net kommentiert sie die globalen Online-Recruiting Märkte und Jobbörsen mit einem kritischen Blick auf Trends und Entwicklungen.

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