Eva Zils

Abra Kadabra oder was Unternehmen noch mit unpassenden Bewerbungen tun können

Sie haben gerade eine Stelle besetzt und noch einige (gute) Bewerbungen übrig, mit denen Sie nicht mehr arbeiten können? Kein Problem: Stellen Sie diese doch anderen Firmen, z.B. Ihrem Konkurrenten, beinahe kostenfrei (Jahreslizenz 365 Euro) in einem großen Datenpool zur Verfügung. Dazu können Sie gleichzeitig auf der Plattfrom ja noch ein paar Ihrer Produkte vorstellen und dadurch Kunden gewinnen.

Nein, nein, nein, das ist kein spätzündender Aprilscherz, sondern das Konzept von abra vision, dem “Personalportal für abgelehnte Bewerbungen”. Unterstützt wird dieses Projekt vom Wirtschaftsministerium Baden Württemberg. In einigen Monaten soll es dieses Angebot sogar weltweit geben.

Also, wie funktioniert das Ganze: Ein Personaler schickt einem abgelehnten Kandidaten nicht nur die übliche Absage “Wir behalten Ihre Unterlagen und setzen uns im Falle einer zu Ihrem Profil passenden Stelle mit Ihnen in Verbindung”, sondern auch (oder anstelle dessen) den Zusatz: “Wenn Sie einverstanden sind, übermitteln wir Ihre Bewerbung an eine Plattform, auf der weitere Firmen Ihre Unterlagen einsehen können.”

Das ist für den Bewerber ja vielleicht gar nicht so uninteressant. Aber mal ehrlich: Welcher Personaler hat denn wirklich die Zeit oder auch das Interesse, diese Daten einem anderen Unternehmen (kostenfrei) zur Verfügung zu stellen? Ich fürchte, die wirklich guten Kandidaten werden dann doch lieber in der internen Datenbank gespeichert. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass sich dort letztlich Bewerber finden werden, die wohl kaum jemand einstellen möchte. Ergo: Kein Interesse für Firmen, sich dort wirklich umzusehen.

Auch der Ansatz, neben so genanntem “Employer Branding” ebenfalls weitere Produkte auf der Plattform vermarkten zu können, halte ich für sehr fragwürdig. Welches Schweinderl darf’s denn nun sein? Soll es ein Portal fürs Recruiting werden oder fürs Produktmarketing?

Ich habe den Eindruck, dass hier mit einigen Länder-Finanzmitteln experimentiert wird. Und wenn’s denn mit dem Personalwesen nicht funktioniert, dann werden eben Produkte präsentiert oder sonstige Sales-Kooperationen betrieben.

In diesem Sinne verabschiede ich mich ins Wochenende und danach in eine Woche Urlaub! Ab dem 17. Mai geht’s hier dann weiter.

Schöne Grüße!

3 Kommentare

  • Zusätzlich zu den von Eva Zils genannten Argumenten, denke ich, dass es aus Bewerber Sicht auch problematisch sein kann, seine Bewerbungsdaten einfach in eine Pool abzugeben und dann nicht mehr zu wissen, was damit geschieht. Er weiß nicht unbedingt, welche Unternehmen Zugriff haben.
    Was ist z.B., wenn der eigene Arbeitgeber so herausfindet, dass man sich umsieht? Nicht jeder Chef kann damit konstruktiv umgehen…

  • Thomas sagt:

    Ganz ehrlich Eva schon ein Wunder für was der Staat/das Land wieder Geld hat, damit wird kein zusätzlicher Job geschaffen. Und jemand der nicht passt, der passt auch bei Wettbewerber zwei nicht! Alle guten sind so oder so weg, und alleine die Prozesskosten fressen den benefit eines solchen Modells auf :-)

Trackbacks and Pingbacks

Kommentieren Sie (erfordert Freischaltung durch Admin)