Eva Zils

Evenbase weiter auf internationalem Expansionskurs

Das Credo der erst im Januar 2012 neu gebildeten Einheit “Evenbase” innerhalb des DMGT-Konglomerats war von Anfang an klar: “aggressive plans [...] for further expansion”. Da wurde auch gar nicht lange gefackelt. Bereits im April wurde die internationale Jobsuchmaschine Jobrapido für 30 Mio Euro übernommen. Damit erhielt die britische Gruppe Zugang zu allen internationalen Online-Recruiting-Märkten, Bewerbern und Kundenkontakten. Evenbase katapultierte sich mit diesem Zukauf auf Rang fünf der weltweiten Digital Recruitment Brands (nach Indeed, Monster, Careerbuilder und Linkedin – die Zahlen beziehen sich auf die Reichweite der Portale gemäß comscore-Angabe von März 2012).

Doch der Kauf von Jobrapido erlaubte den Evenbase-Strategen darüber hinaus, das Jobsuchmaschinen-Modell genauer zu analysieren. Im November wurde in den USA Jobsite.com in der Beta-Version gelauncht (Jobsite.co.uk ist ebenfalls von Teil von Evenbase und gehört zu den wichtigsten Generalisten in Großbritannien). Die US-Jobbörse funktioniert grob gesagt wie eine Jobsuchmaschine und ist für inserierende Firmen kostenfrei. Über “Hot Match” werden Recruitern passende Kandidaten vorgeschlagen. Kosten fallen an, wenn Unternehmensrecruiter mit den vorgeschlagenen Bewerbern Kontakt aufnehmen möchten. Wenn das Modell in den USA Schule macht und ein Erfolg wird, müssen sich alle Monster & Co. – auch hierzulande – sehr warm anziehen. Denn hier werden zwei übliche Bezahlservices (Job Posting und Lebenslaufdatenbanksuche) zusammengefasst und basieren auf einem reinen Performance-basierten Ansatz. Kein Wunder, dass in den USA, Mutter vieler Innovationen, experimentiert wird.

A propos Amerika: dort hat Evenbase ebenfalls im November eine Minderheitsbeteiligung an einem latein-amerikanischen Start-Up namens Workana im Wert von USD 500.000. Workana vermittelt Projekte an Freelancer. Wie Keith Potts, Evenbase’s CEO, in einem offiziellen Statement mitteilte, ist vor allem das internationale Potenzial der Freelancer-Plattform von Interesse. Auch wenn natürlich ein Markteintritt im wachstumsstarken Lateinamerika mit ein wichtiger Grund für die Entscheidung war. Monster ist übrigens seit heute raus aus dem Lateinamerika-Geschäft.

Dann wäre noch zu erwähnen, dass sich A&N Media (Evenbase ist eine Sub-Division davon) von den osteuropäischen Jobbörsen profesia.sk und moj-posao.net und weiteren Rubrikenmärkten getrennt hat. Diese wurden an die finnische Alma Media verkauft. Dafür kassierten A&N Media den Unternehmenswert der verkauften Assets, 24 Mio Euro.

Schließlich wurde die lokale (und, sign o’ the times, leicht schwächelnde) DMGT-Printsparte Northcliffe Media an ein neues Zeitungsgebilde namens Local World für GBP 52,2 Mio verkauft. Local World wird die Printtitel von Northcliffe und Iliffe News & Media Limited bündeln. Neben dem Verkaufspreis hat DMGT zusätzlich einen 38,7% starken Anteil an Local World. Ein weiterer Investor ist ebenfalls die Trinity Mirror Group.

Die Kriegskassen sind bei DMGT demnach gut gefüllt, es riecht förmlich nach weiterem, globalen Ausbau.
Wann fällt der deutsche Markt in den Blick der Evenbase-Strategen? Und wie wird man der dortigen starken Axel-Springer-Präsenz begegnen (können)?

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