Gestern wurden in Frankfurt im schönen Palais im Zoo die wichtigsten Ergebnisse der Studie Recruiting Trends 2011 präsentiert. Die bereits neunte Auflage der Studie wurde wie in der Vergangenheit dank der Zusammenarbeit der Universitäten Frankfurt, Bamberg und unter der Schirmherrschaft von Monster Deutschland durchgeführt. Bis zu 400 Personalverantwortliche (aber natürlich auch Blogger wie ich) lauschten ab dem frühen Nachmittag im voll besetzten Saal den Ausführungen von Professor Dr. Tim Weitzel vom Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) und den Praxisbeispielen von Judith Charles von Bertelsmann und Magdalene Münstermann der Bernd Münstermann GmbH. Dario Schuler berichtete über das Projekt HR-Marketing Controlling, das zusammen mit dem Verband queb (ehemals dapm) demnächst in die aktive Phase gehen wird.

Gemäß vieler Konferenzen, die sich mit Web 2.0 Themen befassen, wurde in diesem Jahr erstmals eine Twitterwall eingesetzt: Live kommentieren vom Symposium. Leider war die Leinwand, die die Tweets anzeigte, viel zu klein, sodass die Beiträge kaum von den Teilnehmern mitverfolgt werden konnten. Als Empfehlung fürs nächste Jahr rate ich, mehrere Leinwände im Saal anzubringen. Ich habe mich dieses Mal mit dem Live-Gezwitscher zurück gehalten, um mich besser auf die Vortragsinhalte konzentrieren zu können. Für mich als HR-Bloggerin standen selbstverständlich die Ergebnisse der Studie im Vordergrund.

Und hier eine kommentierte Zusammenfassung:

  • Von den 1.000 angeschriebenen Top Unternehmen Deutschlands haben 14,7 Prozent die Studienfragen ausführlich beantwortet. Das bedeutet, dass die Angaben letztlich von 147 Firmen kommen. Ich finde es sehr schade, dass sich nur wenige HR-Verantwortliche dazu in der Lage sehen, ihren Beitrag zu einer solch wichtigen Studie zu leisten. Eigentlich sollte die Teilnahme daran zur Pflicht werden.
  • Bei der Umfrage wurden ebenfalls 300 Unternehmen aus der Finanz- und IT-Branche und dem öffentlichen Dienst erfasst. Der Rücklauf in dieser Gruppe wurde leider nicht bekannt gegeben. Dazu wurden ebenfalls Mittelständler befragt.
  • Das Recruiting ist facettenreicher und komplexer geworden. Während früher Stellenanzeigen in der Presse veröffentlicht wurden, stehen Personalern heute eine Menge an Instrumenten zur Verfügung.
  • Die brennenden Trends – so wie sie von außen eingeschätzt werden – drehen sich in erster Linie um den demographischen Wandel, den Fachkräftemangel und der Umgang mit den neuen Studienabschlüssen Master und BA im Rahmen des Bologna Prozesses. Social Media Recruiting steht an vierter Stelle.
  • Bei den tatsächlichen Herausforderungen im Tagesgeschäft rangieren Social Media jedoch nur an Platz 15. Die als relevanter eingestuften HR-Baustellen sehen die Personaler im Aufbau und Erhalt der internen und externen Arbeitgebermarke, der Mitarbeiterbindung und der Sichtbarkeit des Personalmarketing (was bei bestimmten Firmen ja bereits Social Media beinhaltet).
  • Ausschließlich ALLE Unternehmen planen, im Jahre 2011 neue Mitarbeiter einzustellen, was dem Abwärtstrend aus den Jahren 2009 und 2010 entgegenwirkt. Da die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer aktuell sehr wechselwillig ist, stellt das für die Unternehmen gleich zwei Herausforderungen dar: die interne Mitarbeiterbindung muss verbessert werden, damit die Talente nicht zum Wettbewerb abwandern und das externe Employer Branding muss ebenfalls optimiert werden, um gute Bewerber anzulocken.
  • 87 Prozent der offenen Positionen werden auf der firmeneigenen HR-Site ausgeschrieben, 61 Prozent auf Stellenbörsen im Internet, 20 Prozent in Printmedien und 22 Prozent bei der Bundesagentur für Arbeit. Von Social Media ist nicht die Rede, und ich möchte in diesem Zusammenhang auf Thorstens exzellenten Rant-Post zu den 10 Social Media Thesen des BVDW hinweisen. Die Studienergebnisse untermauern Thorstens Aussage deutlich.
  • Der Trend geht zum Online Bewerbungsformular – klar, das erspart den Personalern sehr viel Zeit. Die Bewerberdaten werden vom Jobsucher direkt in das Talent Management System eingegeben. Nur noch zehn Prozent der Firmen erwarten eine Papier-Bewerbung (2005 waren es noch 41 Prozent). Hier sollten jedoch unbedingt auch die Kandidaten befragt werden. Sicherlich ist es für das Unternehmen kosten- und zeitsparender, mit Online Formularen zu arbeiten. Für Bewerber ist das in der Regel nicht der Fall.
  • Bei der Effektivität der einzelnen Rekrutierungskanäle stand an erster Stelle (überraschenderweise für mich) das eigene Netzwerk (79,7 Prozent). Arbeiten Personaler heutzutage wie Headhunter und haben ein großes Netzwerk an potenziellen Mitarbeitern? Oder sind hier interne Mitarbeiterempfehlungen gemeint? Direkt danach (78,9 Prozent) folgen die Firmen HR-Seiten und Online Jobbörsen (73,4 Prozent). Social Media schneiden hier eher schlecht ab (24,3 Prozent), was aber zu erwarten war.
  • Auch beim Kosten-Nutzen Verhältnis liegen HR-Site und webbasierte Stellenmärkte ganz vorne, Social Media werden als ineffizient eingestuft.
  • Was in Bezug auf Social Media interessant ist, ist, dass die Skepsis und die negative Einstellung abgenommen hat. XING steht bei de Personalern bei Social Media Recruiting ganz oben (ähnlich wie im letzten Jahr – aber: es gibt noch andere Soziale Netze neben XING…). Vor allem in der IT-Branche wird dieses Netzwerk effektiv zur Kandidatenansprache und zum Recruiting genutzt.

Alles in allem eine wirklich tolle Veranstaltung. Für zukünftige Studienpräsentationen möchte ich eine Anmerkung anbringen: Die eigentliche Vorstellung der Ergebnisse darf gerne länger dauern, mehr Interpretationen der Zahlen enthalten und kann in verschiedene Abschnitte mit Pausen unterteilt werden. Die Praxisbeispiele aus Unternehmen könnten innerhalb dieser Präsentation stattfinden, um die Zahlen abzurunden. Und beim nächsten Mal bin ich dann sehr gespannt auf erste Statistiken und Analysen aus dem HR-Marketing Controlling Tool!

Vielen Dank an Monster für die Einladung!

Die dreisprachige Jobportal Beraterin ist seit 10 Jahren in der Branche tätig. Auf diesem zu den Top 10 deutschen Online HR-Medien gehörenden Blog berichtet sie seit 2007 über die neuesten internationalen E-Recruiting Trends und Entwicklungen.

Zils berät personalsuchende Unternehmen in ihrer Online HR-Kommunikation genauso wie Online-Recruiting Anbieter, die ihre internationale Präsenz und ihr Service Portfolio ausbauen.

Heute lebt sie in Straßburg und berät Firmen in englischer, deutscher und französischer Sprache.

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Eva Zils

CEO & Analyst bei Online-Recruiting.net

Eva Zils berät seit 2004 Unternehmen bei der strategischen und inhaltlichen Konzeption ihrer (internationalen) Online HR-Kommunikation.

Auf Online-Recruiting.net kommentiert sie die globalen Online-Recruiting Märkte und Jobbörsen mit einem kritischen Blick auf Trends und Entwicklungen.

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