So übersetze ich Alastair Cartwright’s Beitrag “How Social recruiting has NOT changed Recruitment” auf posterous ins Deutsche. Der Mitbegründer und ehemalige Commercial Director der britischen Agentur Enhance Media beschreibt darin, dass Soziale Netzwerke wie Facebook, LinkedIn, Twitter, etc. lediglich eine weitere Komponente in der online Personalsuche sind und nicht DIE neue (Pflicht-) Kür im Recruiting-Mix darstellen.

Dem stimme ich vollkommen zu. Ich verstehe, weshalb er sich von dem ganzen Social Media Hype etwas abheben möchte. Dies bringt Polemik in die Diskussion. Eine solche Einstellung erregt Aufsehen in der Branche und damit in irgendeiner Form Publicity. Objektive Distanz zum Thema Web 2.0 ist meiner Meinung nach aber auch immer wieder notwendig. Allein durch das Aufsetzen einer “Schöne-Neue-Welt-dank-Social-Media” Brille wird der Wunsch-Bewerber nicht gefunden.

Ich gebe Cartwright auch darin Recht, dass Dinge wie Job-Posting (also das Herzstück der Online-Rekrutierung) ebenfalls auf den beliebten Massenplattformen vorgenommen werden und damit keine Neuigkeit im Recruiting darstellen. Personaler hoffen, dass der richtige Kandidat zur richtigen Zeit darauf stößt, sich bewirbt oder es an seine Bekannten weiterleitet. Und das für lau und relativ wenig Aufwand.

Schließlich muss auch weiterhin die Umsetzung des ganz offensichtlich sozialen Aspekts der Personalgewinnung gesichert werden: nämlich persönliche Gespräche (Telefonate, Interviews, Videokonferenz). Ergo: Social Media ändert auch hier nichts am Einstellungsprozess.

Ok.
Aber das muss es ja auch gar nicht.

Dennoch merkt Cartwright in seinem Artikel an, dass Soziale Netzwerke Dinge bei der online Personalbeschaffung geändert haben. Zum Beispiel, weil Personaler konkret mit Kandidaten im Internet kommunizieren können. Oder auch, dass Personalmarketing und Employer Branding kostengünstig betrieben werden können. Und schließlich, um passende Kandidaten erst einmal ausfindig zu machen.

Damit hat sich in der Tat der Prozess der Personalauswahl nicht geändert, wohl aber deren Dimension. Und diese neue Dimension erfordert von Recruitern Fertigkeiten, die sie vor HR 2.0 in dieser Form weniger stark benötigt haben: nämlich die Kommunikation mit Bewerbern in beiden Richtungen. Will heißen, dass Kandidaten nicht mehr passiv auf Rückmeldung warten, sondern an einem Dialog interessiert sind. Gero Hesse hat das z.B. in seinem guten Blogbeitrag zum Ausdruck gebracht.

Fazit:
Der Artikel von Cartwright geht kritisch mit dem Einsatz von Social Media bei der Personalsuche um. Das ist mehr als vernünftig. Firmen sollten sich nicht auf Teufel komm’ raus dem Hype anschließen, sondern analysieren, was welches Medium zum Personalsuch-Prozess beitragen kann. Einfach blind Jobs auf Twitter posten oder auf Facebook hinauszujagen bringt nicht den Pracht-Kandidaten. Ein gut durchdachtes Konzept und Marktforschung helfen hier weiter.

Dennoch vermisse ich in Cartwrights Post die Kandidatenseite des Social Media oder Online-Recruitings. Für Personaler bedeutet der Umgang mit diesen neuen Medien und Kommunikationsformen mehr Aufwand, mehr Reflexion und letzten Endes wohl auch mehr Arbeit. Aber der Bewerber, auf den es schließlich ankommt, erhält neue Mittel und Wege, sich bei seiner Jobsuche aktiv am Geschehen zu beteiligen. Und welches Unternehmen wünscht sich nicht diese Art von engagiertem Mitarbeiter? Wohl nur diejenigen, die den Dialog auch intern meiden…