tower-bridge-londonDer Besuch des European Job Board Summit 2013 in London liegt bereits eine Weile zurück. Es war ein sehr gutes Event mit einem tollen Konzept, das schon am Vorabend mit Networking & Drinks zum gegenseitigen Kennenlernen begann.

Das weniger Gute – was die Organisatoren selbst beanstandet haben und in kommenden Jahren vermeiden werden – war, dass es bei vielen Vorträgen und Diskussionen um rein britische Angelegenheiten im Online Recruiting ging.

Dennoch gab es, auch wenn einige Stimmen das Gegenteil behaupteten, relevante Einblicke, Anstöße und Anregungen. Und manchem Jobbörsen Betreiber wird beim Zuhören das eine oder andere Mal das Herz in die Hose gerutscht sein.

Jobbörsen, so hieß es, wären nicht tot, nein, noch lange nicht!
Aber ich stelle fest, dass viele dabei sind, sich etwas schwerfällig auf den in den letzten 10 Jahren eingeheimsten Lorbeeren auszuruhen.

Thema “Big Data” z.B.: Isabelle Hung von Alexander Mann Solutions gab den Jobbörsen zu bedenken, dass letztere viele interessante Daten hätten, die relevante Rückschlüsse zum Arbeitsmarkt, Kandidatenverhalten, etc. zulassen würden. Leider rückte aber kaum ein Jobportal mit diesen Daten heraus geschweige denn, setzte diese selbst gewinnbringend ein. Warum ist das so?

Der Job Board Doctor berichtete von seinem US Jobseeker Survey (zugegebenermaßen ist die Datengrundlage mit 275 US-Jobsuchenden dünn), dass mehr als 70% der Bewerber von Jobbörsen frustriert sind, wenn sie keine Antwort auf ihre Online-Bewerbung erhalten. Ja halt, werden Sie zu Recht sagen, sobald die Bewerbung abgeschickt ist, sind wir als Jobportal doch raus dem Prozess! Das stimmt auch, ist dem Bewerber aber herzlich egal. Die Lösung? Machen Sie sich Gedanken, immerhin geht es um Ihr Jobbörsen-Image!

Und Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal die Jobsuchenden befragt, inwieweit sie mit Ihrem Jobportal zufrieden sind? Im Konferenzsaal gingen bei dieser Frage nicht einmal ein Dutzend Hände von ca. 200 Teilnehmern in die Höhe…

Und Social Media, ja, das leidige Thema, das eh nur gehyped wird und sowieso keine passenden Kandidaten bringt, macht das überhaupt noch jemand? Der Hype-Wahnsinn ist sicherlich vorbei, viele Unternehmen beackern das soziale Medien Feld (à propos: hier noch an der Social Media Umfrage teilnehmen!) nur noch spärlich, was ich ihnen nicht verdenken kann. Aber Jobbörsen? Das ist die volle Datenwüste! Letzten Sommer habe ich ein Social Media Konzept für eine Jobbörse erarbeitet und dabei ein Benchmark zu den Aktivitäten einiger namhafter Jobportale aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erstellt -> hier dringend nachzulesen. Ergebnis: traurig! Aber allein online-marketingtechnisch zumindest für Jobbörsen wichtig!

Zum Abschluss das Thema Suche, “Matching” und Finden: Wieso, fragte Jakub Zavrel von Textkernel, gibt es auf Jobbörsen immer 2 Suchfelder (meistens “Stellentitel” und “Arbeitsort”)? Google kommt auch nur mit einem klar. Wenn man dort “Pizza” eingibt, weiß die Suchmaschine bereits, wo ich mich befinde und zeigt mir die Ergebnisse im Umkreis an. Das Wichtigste ist, dass die Suchmaschine der Jobbörse versteht, was der Jobsuchende will und entsprechend die Resultate liefert. Aber da ist ja auch noch die Sache mit den unverständlich getexteten Stellenangeboten…

Zavrel und alle anderen Konferenzsprecher sehen 4 große Bedrohungen für Jobbörsen, die ihnen auf Dauer, wenn letztere nicht ihre Technik-Hausaufgaben machen, das Leben schwer machen und schlimmstenfalls auch beenden werden:

  • Jobsuchmaschinen
  • Nischen Jobbörsen / Spezialisten
  • Soziale Netzwerke
  • Mobile

So, da stehen wir!

Jobportale sind dabei, sich von neuen technologischen Playern platt machen zu lassen, merken das aber nicht bzw. wollen dies nicht wahrhaben. Diese Vogel-Strauß-Mentalität dürften aktuell viele Printtitel bereuen, die sich dem technischen Fortschritt nicht anpassen wollten.

Die Halbwertszeit von Neuerungen, Anbietern, Ideen und Startups sinkt von Jahr zu Jahr. Wer die Entwicklungen nicht im Blick hat und umsetzt, wird in den kommenden Jahren von unscheinbaren, kleineren Buden übertrumpft. Man gucke sich doch nur bestimmte Flohmarkt-Smartphone Apps an, die sich wie wild verbreiten und den großen Kleinanzeigen-Powerhäusern gemächlich das Wasser abgraben.

Und wo ich gerade von Smartphone Apps plaudere: Gibt es in Deutschland tatsächlich keine von Jobbörsen oder Arbeitgebern unabhängigen mobilen Jobsuche-Apps? Ich habe gesucht, aber nichts gefunden. In Frankreich gibt es bereits mindestens zwei, die herausragen. Diese erhalten gute Investments, sind innovativ und preislich wettbewerbsfähig.

Sind die neuen Kolosse müde? Die Entwicklung der Technologien (und die Konkurrenz) schlafen nicht!