Der Social Media Hype im Recruiting ist seit Ende 2009 kräftig am Kochen. Während sich einige, meistens große, Unternehmen bereits mit Facebook, Twitter, XING und Konsorten vertraut gemacht haben, beginnen die kleineren und Mittelständler, sich dafür zu interessieren. Sehr gut, denn der Zug ist noch nicht abgefahren!

Doch wie sieht das aus Bewerbersicht aus? Nutzen Kandidaten die neue Vielfalt an (online) Jobsuch-Kanälen aus, die ihnen geboten werden? Die Antwort ist derzeit (noch) kurz und schmerzvoll: Nein!

Und gilt das lediglich für Deutschland? Nein, denn in Frankreich ist das Ergebnis ähnlich, wie eine im April und Mai 2010 durchgeführte Befragung unter 2.208 potenziellen Bewerbern des französischen regionalen Spezialisten Regionsjob ergab.

So stehen bei der Arbeitssuche der Franzosen die Jobbörsen ganz oben (97 Prozent), während gerade mal 36 Prozent ihre Fühler ebenfalls in Sozialen Netzwerken ausstrecken. Besser im Kurs (66 Prozent) steht hier sogar der nationale Pôle Emploi, also das Pendant der Bundesagentur für Arbeit, der im Land der Gallier einen besseren Ruf als in der Bundesrepublik genießt. Für Frankreich ebenfalls typisch ist die Nutzung und Wichtigkeit des persönlichen Netzwerks, um eine neue Arbeitsstelle zu finden (44 Prozent).

Ebenfalls ersichtlich wird, dass die sozialen Medien bei der Jobsuche als “Zusatz-Schmankerl” eingesetzt werden. Die Bewerber, die sich auf dem Social Media Marktplatz tummeln, sind wesentlich aktiver als reine Stellenportal-Gucker. Erstere verwenden bis zu fünf verschiedene Kanäle, um Jobangebote zu durchforsten und relevante HR-Kontakte zu knüpfen.

Dennoch: Den Kandidaten ist bewusst, dass Social Media bei der Personalsuche relevant wird. Mehr als 50 Prozent gehen davon aus, dass sich der Trend in Zukunft verstärken wird (mit anderen Worten: die Zielgruppen kommen! Be prepared!).

Facebook ist bei den Franzosen mit 92 Prozent am bekanntesten, jedoch bringen sie Karrierethemen und Soziale Netzwerke mit dem hiesigen Viadeo (dem XING Frankreichs) und der US-Plattform LinkedIn in Verbindung. Twitter und Blogs werden nur 15 beziehungsweise 14 Prozent Bedeutung beigemessen. Dies erklärt sich damit, dass zuletzt genannte Plattformen arbeits- und zeitaufwendiger sind als Sites, auf denen ein statisches Profil eingestellt werden kann.

In Deutschland belegt die aktuelle Monster Studie Bewerbungspraxis (bestellbar per E-Mail unter studien@monster.de) ebenfalls, dass die Stellenbörsen als wichtigster Kanal bei der Jobsuche angesehen wird (70 Prozent bei mehr als 9.000 Befragten). Danach folgen – mit einigem Abstand – die firmeneigenen HR-Seiten (hört, hört!). Print verliert an Bedeutung und liegt damit genauso im Abwärtstrend wie in Frankreich und E-Mailbewerbungen werden bevorzugt.

Lediglich ein geringer Anteil nutzt Web 2.0 Angebote, um sich zum einen über potenzielle Arbeitgeber oder neue Jobs zu informieren. Aber wenn ein Netzwerk genannt wird, dann ist dies auf jeden Fall XING. Arbeitgeber Bewertungsportale werden hingegen relativ selten genutzt und als irrelevant eingestuft.

Doch auch den deutschen Bewerbern wird klar, dass sich die Karrieremöglichkeiten zunehmend im Web 2.0 platzieren. Stefan Mendes berichtet auf dem Personalmarketingblog, dass bereits 75 Prozent der 409 Befragten (in DE, CH und AT) die Präsenzen von Arbeitgebern wahrnehmen. Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage sind hier zusammengestellt.

Was folgt nun aus diesem Vergleich. Mein Fazit:

  • Bewerbern ist bisher eher passiv bewusst, dass ihnen Karriere- und Job-Möglichkeiten auf Social Networks wie Twitter und Facebook zur Verfügung stehen, die sie zudem bewerten und kommentieren können.
  • Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Bewerberkommunikation sehr wohl auf Web 2.0 Plattformen weiterhin stattfinden muss, um die Wahrnehmung bei Zielgruppen zu steigern.
  • Dennoch sollten diese Angebote auch außerhalb der jeweiligen Plattformen angeworben werden – sei es durch einen speziellen Social Media Recruiting Newsroom neben oder auf der firmeneigenen Karriereseite oder auch durch Werbung für diese Kanäle auf zielgruppenrelevanten Special Interest Sites (z.B. wichtige Seiten für Hochschulabsolventen, Foren für Ingenieure, etc.)
  • Bewerber haben nur in seltenen Fällen den Reflex, aktiv auf die Unternehmen zuzugehen (ebenfalls ein Ergebnis der Monster Studie, die besagt, dass sich Jobsucher am liebsten von Firmen kontaktieren lassen…), da sie es bisher auch eher gewohnt waren, auf eine Stellenausschreibung zu RE-agieren, nicht zu agieren. Laden Sie die Kandidaten ein, sich am Dialog zu beteiligen. Warten Sie nicht darauf, dass Ihnen die Bewerber die Facebook-Fanseite einrennen. Dazu müsste sich Ihr Unternehmen nämlich Starbucks nennen…

In diesem Sinne: Auch hier muss das Runde ins Eckige 😉 Ich wünsche einen schönen Tag!