Gerade gestern noch fragte mich ein Kunde nach den neuesten Trends im Online Recruiting. Ich berichtete ihm über mobile Recruiting und sprach auch über die Careerbuilder App for Employers, die gerade durch die Online Presse gewalzt wird. Dazu übrigens noch ein Nachtrag, denn wie ich auf Recruiter.com las, bietet die amerikanische Jobbörse CBMobile an – eine für Smartphones optimierte Karriereseite! Daran sieht man, dass selbst in den Staaten die Optimierung von Webpräsenzen für mobile noch nicht sehr weit vorang eschritten sind (wobei z.B. dieser Blog seit neuestem ein mobile Theme hat!). Und wie steht es in den deutschen Landen mit der Bewerberansprache über “mobile devices” aus?

Im Mai luden die DJM Consulting, der eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V. und das Forschungsprojekt ReMoMedia sowie deren Kooperationspartner ein, an einer mobile Recruiting Studie teilzunehmen. Im Jahre 2009 wurde bereits eine erste Umfrage zur Personalwerbung per Smartphone betrieben. Die Ergebnisse der Studie sind nun verfügbar. Ich werde sie hier präsentieren und kommentieren:

  • An den gerade mal 159 Teilnehmern (und das bei einer sehr guten Medienverbreitung durch die Kooperationspartner) erkennt man, dass das Thema mobile Recruiting derzeit niemanden wirklich so sehr vom Hocker zieht, als dass man einen Fragebogen ausfüllen würde. Schade! Im Vergleich dazu: Bei unserer noch laufenden Social Media Recruiting Studie 2011 hatten wir nach 3 Tagen bereits mehr als 300 Teilnahmen. Mitmachen geht übrigens noch!
  • Die wenigen Teilnehmer stammen überwiegend aus den Bereichen IT und Telekommunikation und (Personal-) Dienstleistung. Hier sind also diejenigen vertreten, die sich sowieso mit HR-Trends auseinandersetzen.
  • Drei Viertel der Befragten können Bewerbern keine mobile Landingpage bieten (47 Prozent antworteten die Frage danach mit “Nein”; 27 Prozent meinten, dies wäre “in Planung”; 9 Prozent wussten es nicht (also Nein))!
  • Die Top 3 Gründe, weshalb die mobile Technologie im Recruiting noch nicht eingesetzt wurde, sind:

    1. “Wir haben uns mit den Möglichkeiten einer mobilen Bewerberansprache noch nicht ausreichend beschäftigt” (66 Prozent)

    2. “Der Nutzen ist für uns derzeit nicht klar erkennbar” (49 Prozent)

    3. “Wir haben dafür im Unternehmen nicht genügend personellen Kapazitäten” – was so ziemlich die einfachste Möglichkeit ist, das Thema samt Diskussion vom Tisch zu fegen… (43 Prozent)
  • Die besten Erfolgsaussichten für mobile Recruiting Kampagnen werden im Segment der Hochschulabsolventen erwartet – wieder ein Stereotyp, weil jeder denkt, dass diese Zielgruppe eh nur mit ihren Smartphones herumspielt. Dabei gibt es auch jede Menge (Young) Professionals, die sich als wahre App-Junkies outen :-)
  • Selbstverständlich sind die Teilnehmer daran interessiert, mehr über das neue Trendhema zu erfahren, messen ihm letzten Endes jedoch relativ wenig Bedeutung zu.

Fazit: Mobile Recruiting ist noch weit davon entfernt, ein echter Trendsetter zu werden. Alleine an den Zahlen aus den USA, wo die meisten Firmen über keine optimierte mobile Präsenz verfügen, lässt sich erkennen, dass hier sehr viel Spielraum ist. Ich denke nach wie vor, dass Jobsuch-Apps von Jobbörsen oder auch Firmen und HR-Dienstleistern, Zeitverschwendung sind, weil Bewerber diese kaum nutzen werden (und bitte versuchen Sie mich jetzt nicht, mit Download-Raten zu überzeugen). Den Vorstoß von Careerbuilder mit der Entwicklung einer App für Recruiter (Link s.o.) halte ich für sehr interessant. Zur Kandidatenansprache müssen andere Wege beschritten werden – z.B. in-App Advertising mit einer ordentlich programmierten Zielseite dahinter oder auch Spiel- und Spaßanwendungen, in denen ebenfalls auf Stellenangebote aufmerksam gemacht wird.