Ab heute und bis einschließlich April 2010 läuft das Pilotprojekt in sieben französischen Départements, darunter auch “Rhône”, das Département in dem Lyon und damit meine derzeitige Wahlheimat liegt.

Welche Unternehmen nehmen an dieser Testphase teil und wie sieht der anonyme Curriculum Vitae aus? Wer seine Französischkenntnisse testen möchte, liest den Artikel zum anonymen CV auf dem ouestjob Blog, für alle anderen habe ich einige Fakten sowie Kommentare zusammengetragen:

  • Die Gesetzesgrundlage besteht bereits seit dem 2.4.2006, aber über den Anwendungszeitpunkt war bisher nicht abgestimmt worden.
  • Getestet wird in den administrativen Bezirken Seine-Saint-Denis, Nord, Rhône, Bouches-du-Rhône, Bas-Rhin, Loire Atlantique, Paris, also den Départements, in denen es vermehrt Jobs gibt.
  • Die Unternehmen, die in der Testphase anvisiert werden, sind sowohl große Betriebe unter den 40 börsennotierten Firmen (CAC40) als auch KMUs, die sich dem Versuch anschließen möchten.
  • Das Ziel ist, Diskriminierung zu vermeiden, also Daten in einem Lebenslauf zu verschleiern, die Auskunft zu Herkunft und Alter geben.
  • Daher dürfen nun folgende Daten weggelassen werden:
  • Vollständige Namensnennung
  • Geburtsdatum und Alter
  • elektronische Kontaktdaten (E-Mail, etc.)
  • Adresse
  • Geschlechtsangabe
  • Geburtsort
  • Familienstand
  • Foto

Tja, was für Daten bleiben dann noch übrig? Daten zu Schul- und gegebenenfalls Studienabschluss, vorherige Arbeitsverhältnisse, Auslandsaufenthalte, Sprach- und Computerkenntnisse. Anhand dieser Daten lassen sich dennoch einige “diskriminierungssensitive” Informationen erschließen: Das Alter lässt sich schätzen anhand der Angaben zu Schulzeit und Arbeitserfahrung, eventuelle exotische Sprachkenntnisse geben Aufschluss über die Nationalität.

Und wie bitte kann ein Personaler einen Bewerber kontaktieren, wenn er noch nicht einmal dessen Namen kennt? “Hallo, haben Sie sich zufällig bei uns beworben? Wir haben da einen Lebenslauf einer Person…” Nicht jeder Kandidat hat unbedingt ein mobiles Telefon und gibt evenutell eine Telefonnummer an, unter der mehrere zu erreichen sind.
Schließlich: der anonyme Lebenslauf ist momentan keine Pflicht für Bewerber, und ein Lichtbild war bisher in Frankreich bereits vorher nicht zwingend. Was werden also Personalverantwortliche daraus schließen, wenn ihnen ein anonymes CV in den Posteingang flattert?

Meiner Meinung nach wird diese Maßnahme rekrutierenden Unternehmen mehr Zeit kosten als Nutzen zu bringen. Und ist den Kandidaten denn wirklich damit geholfen? Die Diskriminierung von Bewerbern kann und wird leider auch nach eines Einstellungsgesprächs erfolgen. Nur hätten sich dann beide Seiten Zeit gespart…

Was halten Sie von einem anonymen Lebenslauf für Deutschland?
Ich bin gespannt auf Ihre Meinungen!