Letzten Dezember habe ich die neue und durchaus interessante HR-Facebook Application BraveNewTalent bereits angedeutet, habe das Thema jedoch nicht mehr weiter verfolgt. Der Fokus dieser App lag mir zu stark auf dem angelsächsischen Bewerbermarkt, und die Einbindung von Stellenausschreibungen, die ausschließlich auf indeed.co.uk zu finden sind, erschien mir als wenig optimal.

Die Pressemitteilung der so genannten “Europe’s first social recruiting platform” ist dagegen vielversprechend: BraveNewTalent konnte neue Investoren gewinnen (der genaue Betrag wird jedoch geheim gehalten), darunter auch Northzone, die Firmen wie Spotify, Lastminute.com und StepStone mit einer Geldspritze den Start erleichtert haben. Darüber hinaus wird der Mitbegründer von Northzone, Bjorn Stray, das Management Board von BraveNewTalent vervollständigen. Zwischen 1996 und 2009 saß Stray in StepStones Aufsichtsrat und konnte dadurch natürlich sehr viel Erfahrung im internationalen Online Recruiting Business sammeln. Das Vorantreiben der internationalen Geschäfte wird auch in Zukunft zu seinen Aufgaben gehören.

Was macht BraveNewTalent aus, dass es sich für die Investoren lohnt, Kapital zu geben? Zunächst ermöglicht es Bewerbern, den teilnehmenden Unternehmen ein ausschließlich auf Karriere getrimmtes Profil zu zeigen. Bei der automatischen Erstellung des Jobsucher Profils werden bestimmte Daten aus den Facebook Angaben gezogen: Wohnort, bisherige Arbeitgeber und die berufsbezogenen Informationen, die vom Nutzer auf Facebook hinterlegt worden sind. Auf den ersten Blick werden also keine wilden Party-Fotos, peinliche Kommentare oder Diskussionen für Recruiter angezeigt. Einen Link zum gesamten Facebook-Profil gibt es dennoch… Daher bitte weiterhin auf die Privatsphäre Einstellungen achten! Ein Beispiel-Profil sehen Sie hier rechts (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken).

Firmen können sich ihrerseits mit einem Profil auf der BraveNewTalent-Internetseite präsentieren. Dieses wird den Nutzern auf Facebook ebenfalls innerhalb der Facebook Plattform angezeigt. Interessierte Kandidaten können dem Firmenprofil “folgen” und sich die entweder vom Unternehmen selbst hinterlegten oder aus der Web-Präsenz der Firma gezogenen Informationen ansehen. Weitere Social Media Profile können hinzugefügt werden.

Meiner Meinung nach eine gute Sache für Unternehmen, die Social Recruiting erst einmal testen möchten (wobei ich die Preise von BraveNewTalent bisher nicht erfragt habe…), ohne eine dedizierte Karriereseite oder Strategie in sozialen Netzwerken aufzubauen. Was mir nach wie vor nicht gefällt ist die Einbindung von Jobs, die lediglich über indeed.co.uk erfolgt. Hier wäre ein Datenimport per Serverabgleich oder Job RSS-Feed von den entsprechenden Firmen HR-Sites sinnvoller.

Auf jeden Fall lohnt es sich, die weitere Entwicklung dieser Plattform im Auge zu behalten, um zu sehen, wie und ob die Internationalisierung voranschreitet. Selbstverständlich muss sehr viel Werbung auf Bewerberseite gemacht werden. Bisher sind die Follower-Zahlen der Unternehmensprofile eher mau. Manche Firmen scheinen sowohl eine Facebookseite als auch ein Profil auf BraveNewTalent zu haben. Dies halte ich derzeit für überflüssig. Aber wer weiß, welche Funktionen sich das neue Management Board noch einfallen lässt.