Meine Stammleser werden bereits an der Überschrift erkannt haben, dass hier ein wenig Ironie mitschwingt. Lustigerweise flimmert seit einigen Tagen eine Meldung über eine durch LinkedIn in Auftrag gegebene Studie über den virtuellen Äther. Diese wurde durch die Bitkom Research GmbH durchgeführt. Das Ergebnis: 57 Prozent der Firmen in DACH setzen bereits mobile Recruiting ein. Hoppla! Hat der Trend in Deutschland, Österreich und der Schweiz in diesem Jahr etwa genau so schnell an Fahrt aufgenommen wie die Verbreitung von Smartphones und Tablet PCs? Erinnern wir uns an die Ergebnisse der letztjährigen mobile Recruiting Umfrage von djm und dem eco-Verband: 47% gaben an, über keine mobile-optimierte Karriereseite zu verfügen, 27% hatten dies in Planung, 17% hatten optimierte Seiten, 9% wussten es nicht. Gut, die Anzahl der Studienteilnehmer war 2011 nicht gerade überragend (n=159).

In meiner diesjährigen Social Media Recruiting Studie habe ich eine Frage (Nr. 21) zum mobile Recruiting hinzugefügt: Dort gaben die 330 Teilnehmer folgendes an: 31% – unsere Internetauftritte sind optimiert; 51% – wir planen, unsere Webpräsenz mobile-tauglich zu machen; 18% – mobile Recruiting ist für uns nicht relevant.

Eine im September 2012 veröffentlichte Studie von perbit-Consulting berichtet übrigens über ähnliche Ergebnisse, auch wenn diese den Einsatz von mobilen HR-Anwendungen generell spricht und nicht nur die reine Seiten-Optimierung für mobile Endgeräte. Demnach haben 25% der befragten Unternehmen mobile HR-Anwendungen bereits im Einsatz, soll sich aber bald verdoppeln.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass dies innerhalb einiger weniger Wochen bereits geschehen ist, wie es die Bitkom-Ergebnisse vermuten lassen.

Aber schauen wir doch etwas genauer auf die Umfrage-Resultate:

Personalchefs setzen bei der Suche nach geeigneten Bewerbern zunehmend auf mobile Geräte wie Smartphones und Tablet Computer. Dieses so genannte “Mobile Recruiting” wird bereits von mehr als der Hälfte der Unternehmen (57 Prozent) eingesetzt. An der Spitze stehen dabei mobile Angebote für soziale Netzwerke wie Facebook oder Google+ mit 34 Prozent, gefolgt von Business-Netzwerken wie Xing oder LinkedIn mit 29 Prozent. Spezielle mobile Karriere-Webseiten nutzt ein Viertel der Unternehmen (24 Prozent), eigene Apps setzt jedes Sechste (17 Prozent) ein.

Seit wann stehen “Social Media” für “mobile Recruiting”? Kann man von mobile Recruiting sprechen, nur weil ein soziales Netzwerk eine mobile App oder eine mobile-optimierte Website hat und dadurch die Jobs, welche sich in diesen Netzwerken befinden, auch mobil zugänglich sind?

Klar kann man das. Dann ist Social Media Recruiting gleichbedeutend mit mobile Recruiting. Und dann ist auch Social Media Recruiting, wenn ein Unternehmen eine Anzeige auf einer Jobbörse platziert, die irgendwo auf Twitter und Facebook verlängert wird. Diese erscheint dann ja auch irgendwie (vielleicht) in einer mobilen Version oder App eben jener Jobbörse oder jenes Netzwerks, auf der die Anzeige gespiegelt wurde.

Kurzum: Online Recruiting = Social Media Recruiting = mobile Recruiting

Ist ja alles irgendwie das selbe, oder nicht?

Die Sache ist die, dass in diesen ganzen Studien, Umfragen und dem inflationären Gebrauch von Hype-Wörtern wohl keiner so recht weiß, wie mobile Recruiting definiert werden soll. Was Social Media Recruiting angeht, habe ich das hier definiert.

Möchte jemand mobile Recruiting definieren? Oder in Ansätzen? Gerne in den Kommentaren.

Und nochmal zurück zu LinkedIn und mobile Recruiting: Wieso sind die Jobs weder in den App noch in der mobilen Website-Version auffind- geschweige denn suchbar?

XING macht das übrigens seit geraumer Zeit besser:

Und auch meinestadt.de haben eine recht coole Variante, um es Firmen zu ermöglichen, sich mit in-App Advertising mobile zu präsentieren.

Wollte LinkedIn durch die Studie die Gewissheit erlangen, dass es sich lohnt, Stellenangebote mobil verfügbar zu machen? Das hätte jede/r 15-Jährige voraussagen können. Oder geht es um die mobile Bearbeitung von Kandidatenprofilen im Rahmen der Recruiter-Plattform? Aber auch hier haben bereits einige Anbieter bewiesen, dass es sich lohnt, bestimmte HR-Funktionen und -Anwendungen mobil zugänglich zu machen. Laut der Perbit-Studie wünschen sich Personaler übrigens gerne Funktionen wie das mobile Bearbeiten (Genehmigungsprozesse) von Urlaubs- und Dienstreiseanträgen, Seminaranträgen, Bewerberauswahl und Stellenausschreibungen. Eben diese Dinge, die beim Warten auf die Bahn oder den Bus oder in der Straßenbahn ohne viel Mühe erledigt werden können und damit den wartenden und sich anhäufenden Administrationskram aus dem Weg schaffen.

Die dreisprachige Jobportal Beraterin ist seit 10 Jahren in der Branche tätig. Auf diesem zu den Top 10 deutschen Online HR-Medien gehörenden Blog berichtet sie seit 2007 über die neuesten internationalen E-Recruiting Trends und Entwicklungen.

Zils berät personalsuchende Unternehmen in ihrer Online HR-Kommunikation genauso wie Online-Recruiting Anbieter, die ihre internationale Präsenz und ihr Service Portfolio ausbauen.

Heute lebt sie in Straßburg und berät Firmen in englischer, deutscher und französischer Sprache.

Facebook Twitter LinkedIn Google+ Xing   

The following two tabs change content below.

Eva Zils

CEO & Analyst bei Online-Recruiting.net

Eva Zils berät seit 2004 Unternehmen bei der strategischen und inhaltlichen Konzeption ihrer (internationalen) Online HR-Kommunikation.

Auf Online-Recruiting.net kommentiert sie die globalen Online-Recruiting Märkte und Jobbörsen mit einem kritischen Blick auf Trends und Entwicklungen.