Das klingt jetzt ziemlich hochtrabend, ist aber eigentlich alles ganz einfach. Alles begann schon Ende 2011, als Oracle den Cloud-Anbieter Rightnow im Oktober erstanden hatte. SAP sah sich im Zugzwang und legte nach: SAP verkündete, den HR-Cloud-Service Anbieter SuccessFactors für 3,4 Mrd. Dollar zu übernehmen. Salesforce kaufte Rypple im Dezember 2011, um sich ebenfalls im Personalwesen aufzustellen. Oracle reagierte darauf und leistete sich im Februar 2012 das Unternehmen Taleo für 1,9 Mrd. Dollar.

Und jetzt kommt IBM daher und kauft Kenexa, die ebenfalls für ihre Recruitment-Technologie bekannt sind und 2007 Brassring übernommen hatten.

Wieso ich Ihnen all das erzähle: Die großen Software-Häuser wie SAP, Oracle, Salesforce und IBM haben sich bisher recht wenig um HR bemüht.

SAP’s E-Recruiting Solution bildete zum Beispiel die verschiedenen HR-Prozesse im Bewerbermanagement-Modul bis jetzt eher unzureichend ab. Die meisten Personalabteilungen entschieden sich daher lieber für IT-Lösungen, die den Anforderungen an HR besser entsprachen.

Daher kaufen sich die Riesen-Anbieter die spezialisierten HR-Anbieter, denn HR ist nun einmal ein anderes Business-Umfeld als Marketing, Sales, CRM, etc., die ja vor allem auf ein einziges Ziel ausgerichtet sind: Profit machen.

HR verursacht ausschließlich Kosten (jedenfalls in den Augen der Geschäftsführer und Controller): Anzeigen planen, texten, veröffentlichen, Personalmarketing, Employer Branding und vor allem Gehälter mit allem drum und dran. Was hat es nun also zu bedeuten, dass sich die großen Software-Häuser für HR-Prozesse interessieren und gute Lösungen in ihre Gesamt-Lösungen integrieren? Ist die “Full Social Enterprise” auf dem Vormarsch?

Alles wird aus einem Guss gesteuert und überprüft: der neue Produktkommentar auf Facebook oder Twitter wird bearbeitet sowie eine Kunden-Reklamation, die über ein Online-Formular in das System eingeht und letztlich stellt man fest, dass dieser Kunde sogar ein passender Bewerber für die offene Stelle sein könnte, die im Intranet gepostet wurde? Ein kurzer Hinweis an den Kandidaten und schon werden die XING- oder LinkedIn-Profildaten in das System eingespielt. Ein kurzer Gegencheck auf anderen Social Media Kanälen, dazu werden noch eventuelle weitere Dinge zum Unternehmen über Social Media Monitoring abgefragt und dann werden alle passenden Daten zu HR weitergeleitet. Die kontaktieren den Bewerber und laden ihn nach einer kurzen Vorab-Video-Konferenz zum Gespräch ein.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ach ja, noch was: Aufkommende, eventuelle und zur Zeit wieder kräftig hoch gekochte “Shitstorms” könnten mit Hilfe solcher kombinierten Tools ebenfalls frühzeitig erkannt werden.

Oder geht es hier ganz einfach nur darum, Geld in der HR-Sparte zu machen? Wenn dies der Fall sein sollte, wird sich das schnell zeigen. HR und Personaler ticken anders. Wenn die erkauften (Cloud-) Lösungen nur dazu dienen, sich am Markt als innovativ zu zeigen ohne den Willen an den Tag zu legen, Personalern wirklich ein durchdachtes Werkzeug an die Hand zu geben, werden Namen wie Kenexa, Brassring, Taleo oder auch Successfactors in einigen Jahren vergessen sein – genauso wie ihre HR-Software.

Hier noch ein guter Beitrag mit interessanten Ansätzen für Großfirmen wie IBM, Oracle, etc.