Da hat es doch erst einmal ordentlich “zooom” gemacht, als die Meldung zum neuen Axel Springer Kauf von meinestadt.de in den Internetorbit geschossen wurde. Jedenfalls bei mir.

Der Kaufpreis der Transaktion liegt bei ungefähr 50 Millionen Euro, wie eine mit dem Verkauf vertraute Person der Berliner Morgenpost mitteilte. Die Übernahme wird derzeit vom Kartellamt geprüft, was lediglich eine Formalität darstellen sollte.

Im April 2012 erst wurde das führende britische Online Stellenportal totaljobs.com für 132 Millionen Euro übernommen, kurz nachdem die ADC (Axel Springer Digital Classifieds) im März 2012 gegründet wurde. In dieser Konzerngesellschaft wurden die umsatzstarken und erfolgreichen Rubrikenmärkte StepStone sowie die beiden Immobilienportale seloger.com (unumgänglich für alle, die in Frankreich nach einer neuen Wohnung suchen oder einen Hauskauf tätigen möchten) und Immonet.de zusammen gefasst und zu 30 Prozent an den Investor General Atlantic verkauft. Damit flossen mal eben 237 Mio zusätzliche Euro Investitionskapital in ADC. Dazu wurden die drei ursprünglich enthaltenen Plattformen (StepStone mit all seinen eigenen Länderseiten, seloger und immonet) mit einem Kapital von 790 Mio Euro bewertet. Axel Springer lieferte einen Leihanteil von 460 Mio Euro, sodass ADC insgesamt einen Wert von 1,25 Mrd Euro aufweist.

So, dann wollen wir rechnen: 132 Mio für totaljobs, 50 Millionen für meinestadt.de macht 182 Mio. Da bleiben noch schlappe 85 Mio aus der General Atlantic Investition, und GA möchte bestimmt zum Ende des Jahres seine Früchte ernten. Wer kommt also als nächstes in das Axel Springer Digital Classifieds Portfolio??? Einen kurzen Abriss zu Springers letztjährigen Käufen im Stellenbörsen-Umfeld habe ich hier zusammengestellt. Das könnte zu Inspirationen verhelfen. Monster wird Axel Springer wohl nicht kaufen. Das passt meiner Meinung nach nicht in die Strategie. Eigentlich wäre so langsam Südamerika an der Reihe. Immerhin gibt es zum Beispiel in Brasilien ein hohes Wachstumspotenzial, vor allem, was den E-Commerce angeht. Ich tippe allerdings auf etwas Europäisches.

Wie geht es nun aber mit meinestadt.de und seinen über 11.000 Städteseiten weiter? Ich habe einige Überlegungen angestellt und hoffe, dass die damit verbundenen Fragen beantwortet werden können, sobald die Übernahme und Fusion weiter voran geschritten sind.

  • meinestadt.de hat eine unglaubliche Reichweite (8,5 Mio Unique Visits! laut AGOF, Juni 2012) und diente in der Vergangenheit so mancher Jobbörse (unter anderem der Bundesagentur für Arbeit) als exzellenter Traffic-Generator. Darunter befanden sich beispielsweise einige namhafte Generalisten oder auch spezialisierte Stellenmärkte. StepStone gehörte eine Weile auch zu den “Traffic-Einkäufern”, aber vor 1-2 Jahren hat meinestadt.de einige Anbieter aussortiert. Was wird zukünftig mit diesen Partnerschaften geschehen?
  • meinestadt.de sichert im Jobanzeigen-Bereich eine interessante lokale Reichweite, vor allem für Anzeigen aus dem Middle bis Lower Management und gewerbliche Stellen. Wird StepStone alle oder einen Teil seiner Anzeigen in das Städteportal “verlängern”, also spiegeln, um deren Reichweite und den lokalen Bezug zu verstärken?
  • StepStone betreibt unter arbeiten.de ein gewerbliches Stellenportal, das reichweitenmäßig nicht so der Bringer ist. Nun ja, die Verbindung bild.de-arbeiten.de gibt es wohl nicht mehr, ich kann sie jedenfalls auf bild.de nirgends finden. Dafür gibt’s einen Link zur BA… Was geschieht also mit arbeiten.de? Wird sich hier in Zukunft möglicherweise Traffic zugespielt?
  • Wie wird die Fusion, falls es eine gibt, von statten gehen? Wird Personal auf beiden Seiten eingespart werden? Wo wird der Firmensitz von meinestadt.de sein? Weiterhin in Siegburg?
  • Und was, ja was! passiert mit der Vertriebskooperation zwischen der Süddeutschen Zeitung und meinestadt.de, um den Laufbahner zusammen zu vermarkten? Gibt es laufbahner.de eigentlich noch? Auf die versprochenen Neuigkeiten vom letzten Jahr warte ich noch immer.
  • Last but not least: Wird StepStone weiterhin seine aggressive Traffic-Einkauf Strategie (SEM, SEA) fortsetzen?

Axel Springer hat hier jedenfalls einen tollen Coup gelandet und verbreitet sich mit seinen Rubrikenmärkten immer weiter aus. In ein paar Jahren werden sowieso sämtliche Online Classifieds in irgendwelche digitale Divisionen von Medienhäusern und gewieften Online-Marktgruppen integriert sein. Fragt sich nur, wer letzten Endes bei wem landet.