Einer der beliebtesten und nach wie vor am häufigsten aufgerufenen Posts auf diesem Blog ist eine (inzwischen etwas veraltete) Übersicht über die Top 40 Jobbörsen der Niederlande. Das Interesse an den holländischen Stellenmärkten ist groß, sodass es hier und heute mal wieder eine Meldung zum Thema Online Recruiting Niederlande gibt. Aber nicht nur das Interesse am holländischen Markt steht in diesem Beitrag im Vordergrund, wie Sie am Ende des Artikels sehen werden.

Mitte Mai wurde die holländische VNU Media (vorheriger Betreiber und Besitzer des holländischen Jobbörsen Marktführers nationalevacaturebank.nl, Herausgeber des on- und offline-Karrieremagazins intermediair, das sich an Hochqualifizierte und Hochschulabsolventen richtet, des auf IT spezialisierten Online Magazins samt Jobbörse Computable, des B2C ICT- und Elektronik Portal Tweakers, etc.) von der belgisch-holländischen Mediengruppe De Persgroep übernommen.

De Persgroep ist ein alt-eingesessenes, belgisches Medien Power-Haus, das mit seinen zwischenzeitlich 3.000 Mitarbeitern knapp 1 Milliarde Euro pro Jahr umsetzt. 2009 wurde die holländische PCM Publishing übernommen mit Blättern wie De Volkskrant, Algemeen Dagblad (AD), Trouw und Het Parool. Daraufhin wurde die holländische Filiale “De Persgroep Nederland” gegründet. Auf belgischer Seite kann die Persgroep mit Medien und Jobbörsen wie vacature.com, jobscareers und einigen der oben genannten Zeitungsseiten aufwarten (hier Struktur der Gruppe). Ziel der Übernahme ist es, die flämisch-sprachigen Online Recruitment Aktivitäten in den Niederlanden und Belgien zu bündeln. Dafür wird die neue VNU Vacature Media sorgen.

Als eine der ersten Aktionen werden Kosten eingespart (daher auch die “Bündelung” der Services auf beiden Seiten): Es werden ca. 100 Jobs in den Bereichen Vertrieb, Redaktion und Support abgebaut. Darüber hinaus wird die Print-Produktion des Karrieremagazins Intermediar eingestellt. Zukünftig wird es ausschließlich ein digitales Magazin geben, in dem Stellenangebote aus den Zeitungen Volkskrant, Algemeen Dagblad (AD), Trouw und Het Parool zusätzlich zu den intermediair Online-Stellenanzeigen veröffentlicht werden. Intermediair wird zum Dreh- und Angelpunkt der Zeitungs-Jobbörsen und wird jeweils in deren Karriereseiten eingebunden. Die bisherigen Stellenbörsen der Zeitungen werden eingestellt:

According to Florence Schmit, Sales Director at VNU Vacature Media, the objective is for the new magazine to become the digital hub of VNU Vacature Media’s existing print and online recruitment activities. “Intermediair’s new digital magazine will integrate content, social media and interaction with the Intermediair.nl website in an innovative, relevant and dynamic format. This will enable us to extend our reach to younger users and offer new functionality and innovative applications to existing advertisers in order to reach suitable candidates.”

The integrated career platform centred around Intermediair and De Persgroep’s titles will deliver a unique multimedia service with by far the largest reach in the highly educated sector. “Vkbanen.nl’s strength lies in the non-profit sector, whereas Intermediair.nl has a powerful position in the profit sector. This makes it a win-win situation for both employers and applicants,” according to Schmit.

Alles in allem liest sich das als schlüssiges neues Konzept für den niederländischen Online Recruiting Markt, auch wenn viele Nutzer das Printmagazin Intermediair ab Q4 2012 vermissen werden.
Interessant ist das Thema Bündelung von Stärken und Marken in einem Jobbörsen Markt nicht nur für den holländischen oder belgischen Markt, sondern auch für unsere Breiten. Die Niederlande stellen ein gutes “Schaufenster” für Trends dar: Die Internetuser sind Neuerungen aufgeschlossen, was beispielsweise an der sehr starken Nutzung von Social Media (die Durchdringung liegt prozentual oftmals sogar über der von Großbritannien und den USA) oder auch mobile Internet angeht. Dazu kommt, dass sich seit einiger Zeit, wie Marc Drees berichtet, die so genannten “Freemium” Jobbörsen, also kostenfreie Stellenanzeigenmärkte, bei unseren holländischen Nachbarn etablieren. Der Preisdruck auf die kommerziellen Stellenbörsen wird immer größer, die Preisstrukturen weichen auf, die Margen werden geringer (daher haben VNU Media sowie deren Investoren, die den Laden in den letzten Jahren wieder aufgepäppelt haben, genau das Richtige gemacht: nämlich rechtzeitig verkauft).

Auf Dauer, denke ich, wird sich genau das Gleiche in unseren Breiten abspielen. In Frankreich testen Firmen bereits kostenfreie Stellenanzeigen Schaltungen auf dem Marktführer für B2C-Kleinanzeigen leboncoin.fr – anscheinend mit gutem Erfolg. In Deutschland werden die sehr hohen Anzeigenpreise auf Dauer nicht mehr haltbar sein: Social Media, die sich verändernde Rolle der Personaler in proaktive Recruiter und die nicht enden wollende Eurokrise sorgen dafür, dass das (Online-) Recruiting weiter sinken wird. Dazu kommt, wie in einer kürzlich von Monster, mediaintown, wuv und Publicis veröffentlichten Studie zur Anzeigen Kreativität herausgefunden, dass es weniger auf die professionelle, visuelle Gestaltung der Anzeigen als mehr auf den durchdachten Inhalt ankommt. Sprich, wozu teure HTML-Anzeigen im Corporate Layout schalten, wenn es eine klare, deutliche Textanzeige für durchschnittlich 300-400 Euro weniger auch tut? Es gibt also jede Menge Einsparpotenzial auf dieser Seite. Der Markt wird sich also nach wie vor konsolidieren, Anzeigen werden günstiger (das müssen sie sogar), es werden weitere Arbeitsplätze verloren gehen, es wird stärker automatisiert werden.

Und nun wird auch verständlich, weshalb es eine große, internationale Jobbörse schwer hat, einen Käufer zu finden.