In der sonst so gerne als neutral bezeichneten Schweiz herrscht wohl zunehmend Unmut, was den dortigen Jobbörsenmarkt betrifft.

Besser gesagt: Es werden Stimmen lauter, welche schreiben, die Jobportale der Jobcloud AG hätten eine Monopol-Stellung inne. Das ist zumindest bei einigen Personalvermittlern zu lesen.

Es ist ja auch so, dass es am Schweizer Markt der Jobportale kaum ernstzunehmende Konkurrenz gibt – und sorry, wer mir jetzt das Gegenteil weis machen will, dem sage ich gleich, dass ich das nicht glaube, auch wenn indeed.ch dort trafficmäßig nach wie vor vorne liegt. Mal kurz in die Referral-Statistiken von indeed.ch an Trafficpartner auf similarweb reingeschaltet, ist schnell zu sehen, dass alle JobCloud Portale von indeed ordentlich Traffic bekommen.

Umsatzmäßig wird meiner Einschätzung nach die große Kohle aber doch eher im Hause Ringier-Tamedia gemacht, und darum geht es ja den meisten auch: Die Preise bei den JobCloud Portalen seien zu hoch, sagen sowohl Personalvermittler, von denen es in der Schweiz traditionell mehr gibt als in Deutschland (im Verhältnis gesehen natürlich) als auch direkte Arbeitgeber.

So haben sich Ende 2014 denn auch einige Personaldienstleister zusammengetan, um dem Marktriesen mit einer eigenen Job Plattform Paroli zu bieten. Zwischenzeitlich hat man sich aber einer anderen Lösung zugewandt, und ist eine Kooperation mit der jobchannel ag eingegangen. Dahinter stecken übrigens unter anderem die Macher von Jobagent.ch. Tja, die Welt Schweiz ist klein, und unsere Branche als Extrem-Nische, wie ich sie gerne liebevoll nenne, winzig.

Da haben Übernahmen, Kooperationen und anderen “Zusammenkünfte” dann schon beinahe was “Inzestuöses” 😉
Denn, das sollte man nicht vergessen, hält auch jobs.ch (inzwischen wohl dann auch die JobCloud AG, werde das eben mal überprüfen, Cornel???) einige Anteile an dem Jobagent.ch…

Und dann vor kurzem noch das WEKO (das Schweizer Kartellamt) – OK für die Integration von Jobscout24.ch in die JobCloud AG, nachdem die Kommission befunden hatte:

In beiden Fällen ist im Bereich der Stelleninserate von einer marktbeherrschenden Stellung von Tamedia bzw. JobCloud auszugehen. […] Die Möglichkeit der Beseitigung wirksamen Wettbewerbs ist für die Vorhaben jedoch nicht zu erwarten.

cheese-fruit_350So hat dann kürzlich einer meiner lieben Schweizer Facebook Freunde eine Diskussion rund um das Monopol von jobs.ch gestartet. Interessante Gedanken und Kommentare waren da zu lesen (die verrate ich hier aber nicht).

Ich dachte mir, es ist wahr, dass es rein theoretisch Platz für Wettbewerber in der Schweiz geben könnte.
Aber die meisten haben das halt wohl echt verpennt, sich da rechtzeitig aufzustellen.
Und ganz ehrlich, da würde ich jetzt auch nichts mehr machen wollen. Selbst mit Marketingbudget und ein bisschen Technologie ist da nicht so viel zu holen. Da braucht’s schon andere Waffen, aber wer hätte denn schon die nötige Investoren-Geduld dafür?

Jobs, die Sie sonst nicht finden

Also lasst uns dann doch mal lieber ein anderes Stellenanzeigen Verbreitungskonzept angucken, über welches ich vor ein paar Wochen bei Jörg Buckmann gelesen habe: Metapage.ch.

Dort ist übrigens seit kurzem der ehemalige XING Schweiz Country Manager Robert Beer als Head of Sales und Marketing mit dabei.

Mit ihm habe ich daraufhin über meinen Kommentar zu Metapage – ein paar Dinge waren in den Interviewantworten Beers bei Jörg Buckmann unklar geblieben – gesprochen.

Im Prinzip ist Metapage ein Aggregator, aber eben nicht einfach nur für Jobs – sonst hätten wir es ja mit einer Jobsuchmaschine zu tun, sondern für Karriereseiten.
Oder auch die “Gelben Seiten” für Karriere Websites – schöner Vergleich.

Auch der Claim ist gut getroffen: Jobs, die Sie sonst nicht finden.
Dazu gleich mehr.

Die Metapage Mitarbeiter legen das Arbeitgeberprofil und pflegen dieses auch. Dafür wird eine Einrichtungsgebühr fällig.

Danach wird von Metapage aus auf die bestehenden aktiven Jobs auf der Firmen Karriereseite verlinkt. Ein Job-Link, so heißt es auf den Metapage Seiten, kostet 50 CHF pro Monat.

Der Vorteil gegenüber üblichen “Job-Crawlern” (das sind Jobsuchmaschinen, auch Job-Aggregatoren genannt) ist, dass bei Metapage auch Karriereseiten verlinkt werden, die ein Crawler aus verschiedenen Gründen (z.B. wegen der Ausspielung der Jobs mittels iframes) nicht findet.

Je nach technischer Machbarkeit – meistens abhängig von der “Flexibilität” des eingesetzten Bewerbermanagementsystems der Firma in Sachen Frontend – werden alle Jobs stets nur auf die Startseite der Firmen Karriereseite weitergeleitet.

Nun ja, nich gerade ideal, und die “Candidate Experience” leidet hier natürlich auch – aber vielleicht doch besser als nichts?

Schaut Euch Metapage mal an – was meint Ihr? Ein wegweisendes Konzept für die Schweiz? Und / oder für den Rest der DACH-Region?

Hier noch ein Update mit weiteren Informationen direkt von Robert Beer:

Nur circa 5 % der Stellen im Netz sind nicht direkt erreichbar sondern über den Umweg der Suchmaske des Arbeitgebers. Diese Stellen werden von Crawlern in der Regel überhaupt nicht gefunden. Wir finden und kategorisieren diese, können aber aus technischen Gründen nicht direkt verlinken.

In unserem Index hat es keine Personaldienstleister, d.h. alle Stellen sind nur einmal vorhanden und “real”. Das wird sowohl von Stellensuchenden als auch von Arbeitgebern sehr geschätzt. Zählt man die Personaldienstleister nicht, ist unser Index bereits jetzt größer als derjenige von Jobs.ch.

Metapage will den Arbeitgeber ins Zentrum stellen. Darum ist mit dem Voll-Profil auch eine Employer Branding Komponente verbunden. Ein Text informiert über den Arbeitgeber und so genannte Info Links führen zu Bereichen in der Karriereseite, die zum Beispiel über das Lehrlingswesen informieren.

Lehrlinge sind ein weiteres gutes Beispiel. Wir zensurieren die Stelle nicht über einen hohen Preis sondern demokratisieren das Stellenangebot. Will heißen, dass wir von den Firmen alle offenen Stellen zeigen. Inklusive Lehrstellen, Praktika, Teilzeit, Quereinsteiger, etc. Die Grünen Info Links zu den jeweils Erklärenden Bereichen sind übrigens kostenlos und im Basispaket inbegriffen.

Im Basispaket setzen sich die monatlichen Kosten inklusive Employer Branding und tägliche Kontrolle der Links so zusammen: CHF 150 pro Monat, so dass beispielsweise ein Arbeitgeber mit fünf offenen Stellen pro Monat CHF 400 bezahlt und ein Arbeitgeber mit 20 offenen Stellen Stellen CHF 950.

Spannend ist aus unserer Sicht auch, dass wir jede Stelle öffnen und durchlesen und dann manuell kategorisieren. Dadurch erlauben wir den Nutzern auch Sucherfolge, die automatisierte Algorithmen nicht finden. Da ist viel Liebe und Erfahrung drin!

Und zu guter letzt sind wir die wohl kleinste Firma der Schweiz mit einem Chief Feelgood Officer.

Danke für die Informationen, Robert!