Der Geist ist willig, doch die Gewohnheit des Alltags macht schwach

Ein Dreivierteljahr ist um, und next level kämpft mit den Tücken des agilen Schlendrians. Die drängendsten Fragen, die sich ergeben: Wie halten wir das agile Mindset am Leben? Wie vertiefen wir es noch? Und wie verhindert man den Rückfall in prä-agile Muster? Der 9. Monat inspiriert da eine prompte Antwort: Der agile Geist muss stetig neu geboren werden!

Nants Scrum-yama … ♫ Nur in stetiger Erneuerung kann das agile Mindset im Alltag bestehen. (Foto und Montage: Daniel Martin)

Nants Scrum-yama … ♫ Nur in stetiger Erneuerung kann das agile Mindset im Alltag bestehen. (Foto und Montage: Daniel Martin)

Wie schon im Artikel zu Monat  3 unserer agilen Blogreihe, stellen wir uns ein halbes Jahr später erneut kritisch dem Verhältnis unseres agilen Changes mit der Alltagsrealität. Und wie damals stehen wir vor der Herausforderung, Scrum-Framework und agiles Mindset in den Köpfen zu verankern und in die Tat umzusetzen.

Das lässt sich an Kleinigkeiten festmachen. So haben sich etwa die Scrum-Events, wie Reviews, Retros und vor allem die Daily Stand-ups, mittlerweile etabliert und sind auch im geschäftigen Alltagstrubel gesetzte Termine; aber was den Rahmen angeht, kommt es hier immer noch zu agilen “Disziplinlosigkeiten”. Werden im Team-Daily Einzelheiten zu Projekten erörtert oder Kontroversen ausdiskutiert, werden aus den 15 Minuten Maximaldauer gerne mal 30 Minuten Rundum-Meeting.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Im Daily Struggle leidet die Umsetzung des Scrum-Frameworks leider das ein oder andere Mal. Die tägliche Arbeit an der Wertschöpfungskette kann natürlich nicht ruhen. Umsätze müssen generiert, Routineaufgaben abgearbeitet werden. Dies führt zu Zeit- und Leistungsdruck. Wer möchte schon darauf bestehen, dass das nächste Retro abgehalten wird oder sieht sich in der Pflicht das Kanban-Board zu pflegen?

Auch die Erhaltung transparenter und direkter Kommunikation innerhalb und zwischen den Teams bleibt eine Herausforderung. Ursprünglich war dies eine der Hauptmotivationen für die Einführung agiler Methoden. Aber das heißt natürlich nicht, dass dieses alte Problem gelöst ist, seit wir scrummen. Agilität ist eben ein Framework und kein Schalter, den man umlegt und alles wird gut. Sie muss gelebt werden, um positive Effekte daraus ziehen zu können. Sonst verfällt man schnell in alte Verhaltensmuster, gerade wenn der Druck des Daily Business groß und die Zeit knapp ist. Dass genau diese Spirale dank Scrum durchbrochen werden sollte, muss sich jeder und jede einzelne stetig vor Augen halten.

Leuchtturmwärter in agilen Gewässern

Aber wie setzt man das um? Bei next level sind wir zu der Einsicht gekommen, dass der agile Geist sich in der Organisation stetig erneuern muss. Und die Führungspersönlichkeiten sind dabei der Schlüssel zum Erfolg. Egal ob People Manager, Team Captains oder Agile Consultant (die Rollen bei next level haben wir in Monat 6 vorgestellt), Agilität muss vorgelebt und die Rahmenbedingungen für agiles Arbeiten müssen geschaffen werden. Eine Sonderrolle nimmt hier natürlich unser Geschäftsführer und Initiator des agilen Umbruchs, Axel Starke, ein. Er und alle weiteren Kolleg*innen, die Führungsrollen innehaben, müssen sich als Leuchttürme der Agilität im Unternehmen verstehen und mit gutem Beispiel voran gehen.

Als Reminder hier noch einmal die agilen Rollen bei next level.

Als Reminder hier noch einmal die agilen Rollen bei next level

Zudem müssen die nötigen Bedingungen für agiles Arbeiten geschaffen werden. So tragen die Verantwortlichen Sorge dafür, dass Ideen nicht nur gehört werden, sondern deren Umsetzungen auch Einzug in Sprints halten können. Transparente Kommunikation sollte gelebt, aber auch institutionalisiert werden, etwa durch die Schaffung entsprechender Kanäle. Auch das Alltägliche darf dabei nicht zu kurz kommen. Beispielsweise muss der Team Captain dafür sorgen, dass die Daily Stand-ups gehalten werden, egal, wer gerade verhindert ist, und dass diese nach 15 min vorbei sind. Dies alles sind nicht zuletzt natürlich auch Fragen der Bereitstellung von Ressourcen wie Zeit und Geld.

Ein bunter Strauß Maßnahmen

Bei next level wurden darum einige Maßnahmen beschlossen und umgesetzt, manche größer, manche kleiner. Aber alle mit dem Ziel, das nötige Mindset tief in den Köpfen zu verankern und die agile Fackel weiter zu tragen.

Die naheliegendste, aber aufwändigste davon: konsequente Weiterbildung! Gerade Mitarbeiter*innen mit Führungsrollen sind hier in der Pflicht, sich methodisch weiterzuentwickeln. Dabei wird Zeit und auch durchaus Geld investiert. So bilden sich nach und nach Kolleg*innen zum Scrum Master weiter und wer noch nicht soweit ist, besucht die Schulung zu Scrum und Kanban in der Academy unseres Mutterkonzerns Univativ. Auch Konferenzen sind eine willkommene Gelegenheit, sich agil fortzubilden. Axel Starke wird im Mai eine entsprechende Veranstaltung besuchen und für unseren Agile Consultant Dirk Theißen ist es natürlich Ehrensache, sich regelmäßig mit Gleichgesinnten bei Scrum-Tischen auszutauschen und anderen agilen Konferenzen einen Besuch abzustatten. Mindset und Methodenwissen sollen so stetig weiter geschärft werden.

Dank unseres internen “Guide to Agility”, können wir uns unser agiles Framework stets vor Augen führen.

Dank unseres internen “Guide to Agility”, können wir uns unser agiles Framework stets vor Augen führen.

Um im Rahmen des agilen Changes das Erreichte Revue passieren zu lassen und neue Ideen zu entwickeln, werden regelmäßig Scrum Days abgehalten. Ein paar mal im Jahr kommt die gesamte next-level-Familie (inklusive Remote-Mitarbeiter*innen) für einen Tag in den heiligen Büro-Hallen zusammen und nimmt sich gemeinschaftlich agiler Themen an. Hier wird dann munter diskutiert, wie Trello-Boards am besten gestaltet werden, welche Themen ins Review oder eher ins Retro gehören und so weiter. Die Ergebnisse werden dann festgehalten und für alle zugänglich gemacht.

Ergebnis eines solchen Scrum-Tages ist auch eine weitere Maßnahme: die formschönen Plakate, auf denen unser agiles Framework grafisch festgehalten wurde, und die jetzt in Din A1 in jedem Büro hängen. So haben die Mitarbeiter die next-level-eigene Ausgestaltung des Frameworks stets vor Augen. Eine kleine, aber effektive Maßnahme, die zudem zur Corporate Identity beiträgt.

Wir bleiben also dran an der Umsetzung unserer agilen Wende. Tag für Tag, Woche für Woche und Sprint für Sprint entwickeln wir unser agiles Mindset weiter und treiben die Implementierung im Alltag voran. Mit klarer Vision und Tatendrang nehmen wir dabei alle Herausforderungen und Unwägbarkeiten an – auf dem Weg zur agilen Personalberatung.

 

Über den Autor Jörg Kitz

Der studierte Politik- und Literaturwissenschaftler frönt beim Schreiben gern seiner Leidenschaft für HR- und IT-Themen. In Redaktion und Marketing der Kölner IT-Personalberatung next level ist er deshalb bestens aufgehoben. Besonders fasziniert ist er von agilen Themen, Technologien und der Unterstützung von HR-Prozessen durch Ansätze aus der IT.