Von Axel Springer und seiner Ausdehnung am digitalen Markt, vor allem im Online-Recruiting-Segment, höre und lese ich schon seit etwas mehr als acht Jahren. Im September 2004 sichert sich der Verlag 49,9 Prozent an StepStone.de, 2008 beginnen die ersten Investitionen in die Konzernmutter in Norwegen, 2009 wird die Mehrheit der Anteile gekauft und ein Übernahmeangebot gemacht. 2010 wird die StepStone Software Sparte abgestoßen (heute Lumesse), um sich besser auf Online Rubrikenmärkte zu konzentrieren. Das für 2012 erklärte Ziel von Axel Springer ist: 50 Prozent Konzernumsatz durch Digital.

Ab 2012 geht alles schneller: Im März wird ADC (ASDC) gegründet mit einer 30-prozentigen Beteiligung des Investors General Atlantic. Im April wird die britische Jobbörse Totaljobs übernommen, im August die allesklar.com AG (Betreiber unter anderem von meinestadt.de).

Who’s next?
Ich habe Patrick Wehrmann, Leiter Classifieds elektronische Medien bei Axel Springer, einige Fragen zur weiteren digitalen (Expansions-) Strategie gestellt. Hier das Interview:

OR.net: ASDC wurde von Axel Springer im März 2012 gegründet und zu 30 Prozent an den US-amerikanischen Investor General Atlantic verkauft. Welche Unternehmen befinden sich aktuell in der Digital Division von Axel Springer?

Patrick Wehrmann: Unter dem Dach von Axel Springer Digital Classifieds (ASDC) ist das Online-Rubrikengeschäft von Axel Springer gebündelt. Dazu gehören StepStone, Totaljobs, SeLoger, Immonet und seit kurzem auch allesklar.com.
Da Sie aber so breit nach der “Digital Division” von Axel Springer fragen, weise ich gern noch auf unsere weiteren Geschäftszweige hin. Neben Online-Rubriken fokussiert Axel Springer seine Online-Aktivitäten auf Inhalte und Marken, Marktplätze und Vermarktung. Zu uns gehören unter anderem auch idealo, KaufDA, finanzen.net, aufeminin.com und Zanox.

OR.net: GA wird Axel Springer beim Ausbau seiner internationalen Internetaktivitäten mit Rat und Tat und mit Investments unterstützen. Bisher wurden vor allem der deutsche und britische Markt anvisiert, abgesehen davon, dass sich der französische Immobilienanzeigen Marktführer SeLoger.com von Anfang bereits in ASDC befand. In welchen Ländern sehen Sie Potenzial für eine internationale Expansion für ASDC (sowohl jobbörsen-spezifisch gesehen als auch Rubrikenmärkte generell)?

P.W.: Grundsätzlich gibt es keine geografischen Grenzen. Schwerpunkt der Aktivitäten von ASDC ist Europa, allerdings sind GA und wir offen, auch andere attraktive Opportunitäten im Classifieds-Bereich weltweit zu prüfen. Unsere Minderheitsbeteiligung an iProperty in Südostasien ist ein Beispiel hierfür.

OR.net: Die ersten beiden Übernahmen sind im Bereich Online Recruitment Classifieds getätigt worden (totaljobs.com und meinestadt.de). Wie wird sich ASDC diesbezüglich zukünftig zum Beispiel in Frankreich positionieren? Dort ist FigaroClassifieds mit sehr starken Marken vertreten (cadremploi, keljob, cadresonline) und hält erhebliche Marktanteile.

P.W.: ASDC ist über StepStone bereits im französischen Online-Recruitingmarkt aktiv: In Frankreich werden mehrere Nischen-Stellenportale betrieben, darunter Sourcea im Bereich Marketing und Sales.
In Frankreich ist ASDC mit SeLoger außerdem Marktführer im Bereich Online-Immobilienportale. Frankreich ist aus Axel Springer-Sicht ein sehr wichtiger Markt, Axel Springer ist hier zum Beispiel durch die Beteiligung an aufeminin, die Aktivitäten von Zanox und über KaufDA mit Bonial stark vertreten. Übrigens ist Meinestadt.de ist durch lokale und regionale Verankerung sehr breit aufgestellt, der Online-Recruiting-Bereich ist nur eine von mehreren wichtigen Aktivitäten.

OR.net: Wie bewerten Sie das Potenzial von Nischenseiten und spezialisierten Playern für die Expansionsstrategie von ASDC? Machen beispielsweise “kleine” und lokale Player Ihrer Ansicht nach dabei Sinn?

P.W.: Wir schauen uns alle Angebote an, die zu unserer Strategie passen, ob “groß” oder “klein”. Wichtig ist natürlich, dass die Unternehmen Wachstumspotential zeigen. Ein gutes Beispiel hierfür sind “Add-on”- Akquisitionen im Bereich Ferienimmobilien und Umzüge, die wir über unsere größeren Beteiligungen getätigt haben und die im Zusammenspiel über ein großes Wachstumspotenzial verfügen. Die ASDC-Tochter SeLoger konnte zum Beispiel durch gezielte “Add-on”-Akquisitionen im Bereich Ferienimmobilien ihre Stellung in Frankreich weiter stärken.

OR.net: Im April wurde die internationale Jobsuchmaschine Nr. 2 jobrapido.com übernommen, Ende September der Marktführer indeed.com von Recruit Co. Ltd, der in den vergangenen zwei Jahren vor allem in den USA stark eingekauft hat. Durch die Übernahme dieser Jobsuchmaschinen erschließen sich den Käufern wichtige, internationale Bewerbermärkte. Wie bewerten Sie dieses Vorgehen und welches sind ASDC’s Pläne, um aktive und passive Jobsucher in Schlüsselmärkten zu akquirieren?

P.W.: Die erwähnten Jobsuchmaschinen haben viel Traffic und bieten unseren Portalen die Möglichkeit, ihre Reichweite zu steigern. Beispiel StepStone.de: Anzeigen, die auf StepStone.de veröffentlicht werden, erscheinen automatisch und für den Kunden kostenlos auch auf bis zu 200 Partnerseiten, darunter allen relevanten Jobsuchmaschinen. Die Akquisition einer einzelnen Jobsuchmaschine würde aus Sicht unserer Kunden keine Vorteile bringen. Für die Ansprache passiv suchender Kandidaten gehen wir übrigens andere Wege. Um auf StepStone.de zurückzukommen: Aktuell werden mehr als 2,3 Millionen Menschen regelmäßig informiert, wenn auf stepstone.de ein passender Job veröffentlicht wird – eine große Reichweite zur Ansprache latent suchender Kandidaten.

OR.net: GA wird ASDC, wie auf der GA-Website beschrieben, ebenfalls bei der Gestaltung und Kommerzialisierung von mobilen und social Produkten unterstützen. Worin bestehen Ihrer Meinung nach die Möglichkeiten im Social und mobile Recruiting? Wo sehen Sie deren Grenzen? Was ist neben der Integration der StepStone-Jobs in die BranchOut Plattform weiter im social und mobile recruitment geplant?

P.W.: Social Media ist ein Megatrend, den wir genau beobachten. Unsere Jobportale experimentieren hier intensiv, wie z.B. StepStone im Zuge der erwähnten Kooperation mit Branch Out. Allerdings haben wir mit StepStone festgestellt, dass Social Recruiting noch sehr schwierig und tendenziell ineffizient ist, was die zielgruppengenaue Ansprache und das Generieren von Bewerbungen angeht. Bei Recruitern scheint sich ebenfalls die Erkenntnis durchzusetzen, dass sich Social Media als Tool zum Personalmarketing eignet, um die eigentliche Rekrutierung zu flankieren.

Mobile sehen wir als wichtigen Trend im Online-Recruiting. Mobile Endgeräte sind für unsere Portale ein wichtiger Traffic-Kanal, StepStone Deutschland hat z.B. eine mobile Website und mobile Apps für iPhone und Android, hier wird kontinuierlich weiterentwickelt.

OR.net: GA investiert seit 2005 ebenfalls in die US-amerikanische Dice Holdings, die sich daraufhin im Jobbörsen-Sektor vor allem in den USA, aber auch ein wenig international ausgedehnt hat. Ist der US-amerikanische Markt auch für ASDC von Interesse? Falls ja, könnte es hier längerfristig zu Interessenskonflikten zwischen GA, Dice Holdings und ASDC kommen?

P.W.: Generell betrachten wir wie gesagt weltweit attraktive Targets und Wachstumsmärkte. DICE und StepStone sind schwerpunktmäßig in unterschiedlichen Märkten unterwegs: DICE in den USA, StepStone/ASDC in Europa. DICE konzentriert sich vor allem auf Nischenportale für bestimmte Sektoren, während StepStone und Totaljobs mit ihren generalistischen Portalen sehr erfolgreich sind. DICE ist darüber hinaus nur eine Minderheitsbeteiligung von GA.

OR.net: Vielen Dank für das Interview, Herr Wehrmann!

Patrick Wehrmann ist seit April 2011 Leiter Classifieds im Geschäftsführungsbereich Elektronische Medien bei Axel Springer. Zuvor hatte er zuerst die Position des Kaufmännischen Verlagsgeschäftsführers des Vorstandsbereichs BILD-Gruppe und Zeitschriften inne. In den Jahren 2003 bis 2007 war als Geschäftsführer von Axel Springer France in Frankreich tätig. Davor war er Leiter des Vorstandsbüros Zeitschriften und Internationales.