Stellen Sie sich vor, ein lokaler Marktführer wird von einer US-amerikanischen, eher unbekannten und weniger beliebten Firma übernommen, und keiner geht hin. Das ist jetzt natürlich gnadenlos überzeichnet, aber es ist doch so, dass die damalige marktführende Jobbörse in Deutschland, Jobpilot.de, Ende April 2004 von Monster Worldwide übernommen worden war. Helle Aufregung damals: Was geschieht mit der beliebten Marke Jobpilot? Werden die Server abgestellt, die URL auf Monster.de umgeleitet?

Fragen über Fragen, auf die die Jobpiloten zu jener Zeit gerne Auskunft gegeben hätten, aber nicht konnten (wahrscheinlich auch nicht durften). Die befragten Monsteraner (und wir haben 2004 mit einigen Monster-Angestellten gesprochen) konnten auch nichts sagen, wobei sich mir damals der Eindruck aufdrängte, dass die tatsächlich nichts wussten…

Jedenfalls wurde für die deutsche – sowie für die Länder, in denen die Marke Jobpilot stark war – Jobpilot-Domain ein Novum geschaffen: sie wurde weitergeführt mit dem Ziel, sie baldmöglichst einstampfen zu können. Das sollte dann geschehen, wenn sich der Traffic auf der Jobbörse in Null-Komma-Nichts aufgelöst hatte.

Allerdings haben die Amerikaner nicht damit gerechnet, dass wir Deutschen – wenn wir denn mal zufrieden sind und unsere Gewohnheiten eingerichtet haben – sehr markentreu sind und dass wir uns nicht so einfach durch amerikanische Konzepte aus der Ruhe bringen lassen (mal abgesehen von Facebook, aber das trifft ja auch einen globalen Nerv: die weltweite, eigene Ego-Verherrlichung). Aus dem Grund ist XING auch immer noch stärker als LinkedIn, was, so nebenbei bemerkt, mit Sicherheit noch eine lange Weile so bleiben wird.

Jobpilot wurde bis heute weder eingestellt noch wird auf Monster.de umgeleitet. Die Stellenanzeigen werden noch weiterhin von Monster auf Jobpilot gespiegelt. Das dient auch als gutes Verkaufsargument. Monster ist zwar als Marke bekannt und gut bei den Bewerbern platziert, aber Jobpilot ist immer noch des Personalers definitiver Liebling.

Und siehe da: Jobpilot.de wurde einem kleinen Facelifting unterzogen und “ge-relaunched”.
Diese Meldung ist bereits eine Weile im Netz unterwegs – seit 15.01., um genau zu sein – und wurde von den beiden Marcus‘ und Spiro-Thomas kommentiert.

Demnach steht die Verbesserung der Anzeigen-Performance auf Monster.de im Vordergrund.
Der “neue” Jobpilot hat design-technisch etwas von einer Jobsuchmaschine (die Links der Anzeigenergebnisse führen auch zu Monster.de). Auf der Startseite wird etwas provokant beschrieben:

Irgendwie ist ja schon klar, weshalb Jobpilot.de zu neuem Leben erweckt wird: mehr Traffic = bessere Monster-Performance = Aufwertung des Verkaufsobjekts Monster.

Eigentlich schade, dass Jobpilot nun dafür “herhalten” soll.
Aber wer weiß, was sich die gewitzten deutschen Monster-Jobpiloten mit ihrem Projekt zukünftig noch so alles einfallen lassen. Ich sag ja immer: Mensch Leute, macht doch nen Management Buy-Out 😉