Den Jahresrückblick hinsichtlich Stellenbörsen und Social Media Recruiting habe ich bereits geliefert. Welches sind die Online Recruiting Trends der nächsten Monate? Was wird im kommenden Jahr gehyped und was wird sich davon effektiv für HR nutzen lassen?

Mobile Recruiting
Das Thema mobile Recruiting wird immer häufiger in den Medien aufgegriffen. Kein Wunder, da inzwischen jeder vierte deutsche Haushalt über mindestens ein Smartphone verfügt – Tendenz steigend! Die aktuelle Potential Park Studie besagt, dass 19 Prozent der Jobsucher (weltweit) ihre Handies nutzen, um nach Jobs zu suchen. In Deutschland zeigte eine Studie der DJM Consulting und des eco-Verbands dagegen auf, dass der Trend in deutschen Personalabteilungen kaum verbreitet ist: Die wenigsten haben ihre Karriereseite und ihr generelles Internetangebot auf mobile Nutzung optimiert. Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage muss zunächst verringert werden.

Ehrlich gesagt hat mich noch keine mobile Jobsuch-App überzeugt. Stellenbörsen aller Art haben ihre Smartphone Apps programmiert, um ihre Stellenangebote zu streuen. Jedoch gibt es zwischenzeitlich so viele davon, dass kaum ein Nutzer diese alle herunterladen und verwenden würde. Vor allem erreichen die Unternehmen damit nicht die begehrten Passiv-Suchenden.

Da halte ich die Apps für Personaler für sinnvoller, die von einigen ATS-Anbietern, aber auch von Jobbörsen wie Careerbuilder angeboten werden.

Im kommenden Jahr geht es also darum, ein gutes mobile Recruiting Produkt auf den Markt zu bringen. Ich halte zum Beispiel in-App Advertising für eine gute Lösung, da man auf diese Weise verschiedene Apps bespielen kann und damit auch die latenten Jobsucher auf sich aufmerksam machen kann.

Recruitainment und Augmented Reality
Recruitainment gibt es bereits seit einigen Jahren und wird in unseren Breiten von Cyquest und Young Targets vorangetrieben. Firmen stellen sich vor, sei es durch technologische Lösungen oder ganz einfach mittels eines Recruiting Event rund um ein Barbecue oder ein Golfturnier. Tja, die Bewerber von heute wollen halt bespaßt werden – ich meine, da wird dann ja gleich der Team Spirit getestet und das “Tier” in seiner “natürlichen” Umgebung beobachtet. Why then not?

Augmented Reality wird allmählich diskutiert. Ganz aktuell geht die Aktion von BMW durchs Netz und über sämtliche Blogs. Ist zwar wirklich eine tolle Sache (Bravo an BMW!), aber ich sehe hier keinen wirklichen Nutzen für das Employer Branding, Personalmarketing oder gar das Recruiting. Für mich ist das Produktwerbung (ich hab mir das angeguckt). Für HR-Zwecke einfach zu teuer. Aber wieso nicht Produktwerbung mit Arbeitgebermarken-Maßnahmen verbinden. Natürlich nur, wenn das Eine zum Anderen passt.

Video Anzeigen?
Der Absteiger des Jahres sind für mich Video Anzeigen. Wer spricht eigentlich noch davon? Videos werden zwar eingesetzt, aber auch Bewerber (vor allem die passiven) sehen sich nicht jeden Spot in Stellenanzeigen an, der für viel Budget angefertigt wurde. Dann lieber auf der Homepage oder der Facebook Karriereseite einbinden, Youtube Kanal einrichten, etc.

Fazit
Die Trends weisen allesamt ein wichtiges Merkmal auf – Bewerber werden dort abgeholt, wo sie sich aufhalten. Demographischer Wandel und Fachkräftemangel sind demnach angekommen, sodass sich die Firmen zunehmend darüber Gedanken machen, wie sie ihre Schäfchen ins Trockene (in das Unternehmen) bringen. Darüber hinaus werden bestimmte Zielgruppen regelrecht umworben, indem sie “bespaßt” werden. “Gamification” ist eines der Stichworte. Muss das wirklich sein, um neue Mitarbeiter zu finden?
Bevor Sie sich zu neuen Wegen des Recruiting hinreißen lassen, perfektionieren Sie erst einmal das, was Sie bereits haben: Karriereseite, können bestehende Verträge mit Stellenbörsen optimiert werden, wie sieht es mit dem internen Arbeitgeberbild aus, Prozessoptimierungen im Bewerbermanagement, etc.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein besinnliches 4. Adventswochenende und sage bis nächste Woche! Dort erwartet Sie nämlich ein Blick in die Online-Recruiting-Kristallkugel! Bis dahin!